Info & Frage Tour meets SSK Salierring
Am 22. März kam es erneut zu einem Überschwappen des Pyranha Aquariums, welches von Beobachtern in einen kausalen Zusammenhang mit der ausschweifenden Info & Frage Tour der Kampagne Pyranha für ein autonomes Zentrum, mit feuerfestem Tanzaquarium in Köln gebracht wurde.
Drei FischInnen wurden ins SSK am Salierring gespült und dort von etwa zwei Händen voller SSK Wesen aufs freundlichste aufgenommen. Wir sagen Danke für Kaffee und Plätzchen. Die SSKler selbst stellten zum Teil personelle Schnittstellen zu anderen Gruppen in Köln dar.
1. Block: Liebes SSK warum wollt ihr ein AZ, was wünscht ihr euch und warum habt ihr uns eingeladen?
Zunächst gab es ein Lob dafür, dass Pyranha diese ausschweifende Tour der Fragen durch Köln macht, die Idee sei prima, da bereits bestehende Strukturen eingebunden werden. Das ging runter wie Öl…
Im Anschluß entwickelte sich eine Atmosphäre wie beim Schreiben der Wunschliste vor Weihnachten, nur, dass es nicht um die üblichen Socken, sondern um ein „Autonomes Zentrum“ ging:
• es war aufgefallen, dass es bei Pyranha eben auch viel um dieses feuerfeste Tanzaquarium geht, also um ein Projekt, was einen weiteren Anspruch hat als ein weiterer linker Ort in Köln zu sein. Linke Räume gäbe es ja schon genug in Köln, was fehle sei der große Veranstaltungsort für unkommerzielle Gegenkultur und große politische Treffen.
• immer wieder wurde betont, dass kleine Preise sowohl fürs Bier, den Kaffe und fürs Essen wichtig seien. Räumlichlkeiten für politische Treffen sollten kostenfrei zur Verfügung stehen.
• könnte es nicht auch geschafft werden, dass ganz „normale“ Leute in so ein Zentrum kommen? Der Wunsch nach einem Zentrum, welches über den linken Szenesumpf hinaus attraktiv ist wurde laut. Ein Zentrum indem ein Nebeneinander der Menschen in einem emanzipatorischen Rahmen möglich ist, könnte politisch für die Stadt sehr interessant sein, da die Möglichkeit bestünde linke Konzepte mehr Menschen auf direktem Wege zugänglich zu machen.
• es entstanden erste Ideen für eine Art „Selbsthilfe Büro“ für Arbeitslose oder generell Menschen in prekärer Lage. Eine Anlaufstelle für Menschen, die dort auf Andere treffen, denen es ähnlich geht, so dass mensch gemeinsam was gegen diese Scheißsituation unternehmen kann. Es war nun die Frage ob so ein Büro in einem AZ Platz finden könnte?
• Ein AZ könnte auch ein Ort für Werkstätten sein, wo wir uns gegenseitig Fähigkeiten beibringen können. Als positives Beispiel in der Richtung wurde das DIY Festival im letzten Sommer in Bonn genannt.
• Ein soziales Zentrum sollte in räumlicher Nähe zu Brennpunkten stehen und nicht unbedingt in der Innenstadt. Die Selbstorganisation von Betroffenen, eines wie auch immer gelagerten sozialen oder gesellschaftlichen Problems (Arbeitslosigkeit, Rassismus, Homophobie…) sei extrem wichtig und wünschenswert. Auch wurde erkannt, dass so etwas nicht ganz einfach sei, dass diese Selbstorganisation oft einfach nicht stattfinde, dass ein Raum der Möglichkeiten biete aber auch Ausgangspunkt für so ne Bewegung sein könnte.
• Kann ein AZ nicht auch die Grundlage für eine gemeinsame Ökonomie sein? In einem AZ könnten auch Kollektive einen Raum für ihre Tätigkeiten finden. Vielleicht könnte auch ein Kollektiv die Verantwortung für gewisse Infrastrukturen eines AZs übernehmen, während die NutzerInnen diesen Menschen eine Lebensgrundlage geben würden. Dieses Thema wurde von verschiedenen Seiten diskutiert.
• Es sollte eine Haus-VV (Vollversammlung) der NutzerInnen geben und nicht einen Verein, der über Gelder entscheidet. Es wurden Beispiele aus den vergangenen Jahren genannt, wo Vereinsgremien in Verbindung mit öffentlichen Geldern dafür sorgten, dass aus ehemals coolen Räumen, die mit Gegenkultur belebt wurden, doch wieder der durchorganisierte, bürokratische und teure Veranstaltungsort wurde. (Mütze Ehrenfeld, Kulturbunker Debatte…)
In diesem Block gab es auch kritische Komentare, Nachfragen und Stellungnahmen in Bezug auf Die Kampagne. Die Pyranhas nahmen meist direkt Bezug auf die Themen.
Die wichtigsten Kritikpunkte sollen nicht verschwiegen werden:
• Warum nennt ihr das „Autonomes Zentrum“? Das Wort wird doch nur gegen einen verwendet, die Stadt wird nur hellhörig und gewinnen tun wir da auch keine Seele mehr, die nicht eh schon autonom unterwegs ist. Oder ging es euch da um ne Neudefinition vom Autonomie Begriff.
• Die Pyranhas wiesen auf den Flyer mit der Begriffsdefintion von autonom hin und erklärten, dass dies auch zunächst der Arbeitstitel war, dass die Kampagne in dem Begriff aber doch auch viel findet, was gut ins Konzept passt.
• Der „Freiraum Begriff“ sei generell problematisch, da es eben nun mal nichts Richtiges im Falschen geben könnte und es eben in der Welt in der wir leben gar keine Freiräume geben könnte, die den Namen verdienten.
• Ein AZ wird in diesem Zusammenhang die Verhältnisse nicht grundlegend verändern…
• Die AZ Bestrebungen der vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass der Kontakt zur „normalen“ Bevölkerung recht schwierig und schleppend gewesen sei, speziell die hausbeschaffenden Maßnahmen seien so arbeitsintensiv, dass solche Aspekte oft hinten runter fallen würden.
• Positive Erfahrungen hätte es allerdings in Situationen gegeben, in denen Instandbesetzungen in Nachbarschaften durchgeführt wurden, in denen die Spekulationsgelüste zu einem Problem geworden waren
• Das Statement von Pyranha bei der sozialen Kämpfe VV zum Thema Gentrification wurde nicht verstanden oder war schwammig. Vor dem Wandel den ein AZ in einem Stadtteil hervorrufen könnte, sollte mensch doch keine Angst haben, genau darum sollte es doch gehen…
• Ein AZ könnte zur Konkurrenz für bereits bestehende Infrastrukturen wie zB die LC werden. Zwar gibt es genug Gruppen, die auch die LC wie gewohnt weiter nutzen würden, jedoch im Falle einer sturmartigen Andrangs auf das neue AZ über ein Umsiedeln nachdenkem müßten, da ja die Menschen auch erreicht werden sollten.
2. Infoblock
Die Pyranhas hielten sich weitgehend an ihre Spickzettel und erzählten von der Geburt und dem Schaffen einer Kampagne für ein autonomes Zentrum.
In Bezug auf vorherige Diskussionen fiel uns auf, dass die Kampagne tatsächlich eine Reaktion und Selbsthilfe von Betroffenen auf die Schließung der Schnapsfabrik war.
Die SSKler hatten immer mal Zwischenfragen, die jedoch schnell beantwortet waren. Es konnte der Eindruck gewonnen werden, dass die ein oder andere Tätigkeit der Pyranhas im letzten Jahr durch das SSK beobachtet wurde….
3. Konkretes
In diesem Block wurde besprochen wie sich das SSK und andere befreundete Gruppen in einem AZ einbringen würden. Es ging zum einen um mögliche Veranstaltungen, aber auch um generelle Aspekte einer vernetzten Zusammenarbeit.
• Raumbedarf einiger Gruppen für größere Treffen, wie zB die soziale Kämpfe VV, da käme ein AZ gerade recht
• über ein Selbsthilfe Büro soll in einer Gruppe diskutiert werden, auch könnten Veranstaltungen zu Themen wie Hartz IV oder Rechtshilfetips für alle Lebenslagen geplant und durchgeführt werden
• ein offener Brief der für Unterstützung wirbt und die Solidarität anderer Gruppen für ein AZ Projekt kundgibt wurde vorgeschlagen
• seitens Pyranha wurde um Unterstützung bei Pressearbeiten und um das Preisgeben guter Kontakte in diesem Bereich gebeten
• das SSK will gerne helfen, wenn es um Möbel, Teller und Tassen für ein neues AZ geht, eine Wunschliste von Pyranha wurde dem SSK zur freien Verfügung überlassen