Ein höchst krimineller Umsonst-Flohmarkt von Pyranha in der Einkaufspassage „Neumarkt-Galerie“ wurde durch eine Hundertschaft beendet.

Das ‚Autonome Kulturprogramm’ hält die Polizei weiterhin in Atem. Bei der ‚U-Bahn-Lesung‘ letzte Woche hatte sie bereits vollkommen richtig erkannt, dass das Wort gefährlicher ist als die Waffe – und begrüßte die VorleserInnen mit acht Mannschaftswagen am Versammlungsort. Beim heutigen „Umsonst- und Mitmach-Flohmarkt mit VoKü“ in der schicken ‚Neumarkt-Galerie’ (Einkaufspassage im Zentrum von Köln) wurde gleich das Doppelte aufgefahren – und auch eingesetzt. Ergebnis dieser hochgefährlichen Verschenkungsaktion: Circa 30 Personen durften erst nach Personalienfeststellung und Abfilmung wieder den Ort verlassen und ordnungsgemäß shoppen gehen (aber nicht mehr am Neumarkt!), eine wurde gleich mitgenommen.
Dabei hatte alles so nett begonnen. Eine bunte Mischung von Menschen war dem Aufruf von ‚Pyranha’ gefolgt und breitete im sogenannten ‚Marktplatz’ ihr Angebot an mitgebrachten Dingen aus, die sie selbst nicht mehr brauchten – Bücher, Kleidung, CDs und vieles mehr. Dazu gab’s leckeres veganes Essen für jedeN.
Das Angebot wurde von den PassantInnen erstaunlich gut bis begeistert angenommen – auch wenn viele vergeblich nach einer Spendendose suchten. Geschenke anzunehmen und Dinge einfach mitzunehmen, anstatt sie kaufen oder wenigstens tauschen zu müssen, scheint den meisten Menschen schwer zu fallen. Dazu wurde auf Flyern erklärt:
„Der Umsonst-Flohmarkt soll ein Zeichen setzen gegen die Konsum- und Wegwerfgesellschaft. Vieles bei uns dreht sich um‘s Geld: Wer genug hat, kann sich fast alles kaufen; die die weniger haben, kaufen die Geizhals-Angebote, die oft von mäßiger Qualität sind und schnell kaputt gehen. All das landet am Ende auf einem der riesigen Müllberge, die unsere Konsumgesellschaft tagtäglich produziert.
Wir wollen zeigen, dass es auch anders geht: Warum sollten wir Sachen wegwerfen, wenn sie noch benutzbar sind? (Und wo ist denn überhaupt weg?)
Nein, wir wollen Güter (egal ob materielle, soziale oder geistige) weitergeben, verschenken, weiterbenutzen. Wir wollen einander Freude bereiten und uns gegenseitig helfen. Wir wollen nicht tauschen, sondern teilen, nicht konkurrieren, sondern zusammenarbeiten. Dies ist ein Experiment; wir wollen gemeinsam lernen, wie es uns besser gehen kann, wenn wir nicht kaufen, sondern teilen. Deshalb gilt hier und heute: ALLES FÜR ALLE – UND ZWAR UMSONST!“
Die Security versuchte von Anfang an hektisch, das Geschehen zu verhindern, wurde von den TeilnehmerInnen jedoch weitestgehend ignoriert. Immerhin: ein Fotograf erhielt Hausverbot, anderen wurde ein ominöser „Folterkeller“ angedroht. Die Polizei (zunächst nur in Knallgelb sowie in Zivil anwesend) betrachtete das Geschehen misstrauisch, aber gelassen. Nach etwa einer Stunde begann sie mit irgendeinem Anwesenden zu (ver)handeln: „Wenn Sie in 5 Minuten einpacken, können Sie ohne Personalienkontrolle das Gebäude verlassen“. Langsam wurde es ohnehin Zeit für die Teilnahme an der Erfurt-Topf&Söhne-Solidemo, weshalb mensch diesem durchaus fairen Deal folgte: „15 Minuten!“ – „10!“ – „12,5″ – „Ok.“ (sinngemäß, Video folgt).
Während dem Einpacken, Aufessen und Aufräumen wurde es jedoch zunehmend enger in der Passage, und immer mehr Grün war zu sehen – die UmsonstflohmarktlerInnen waren plötzlich eingekesselt. Die Aussage „ohne Personalienkontrolle gehen“ hatte sich erledigt; es folgte eine einstündige erfolgreiche Blockade des Galerieeingangs durch die Polizei, samt Kontrolle aller sich im falschen Moment zufällig in der Passage befindlichen Personen. Eine der Anwesenden wurde dabei gleich mitgenommen, ist aber mittlerweile wieder frei.
Die umstehenden PassantInnen wurden weiterhin über den absolut gerechtfertigten Einsatz gegen die UmsonstflohmarktterroristInnen informiert, zeigten jedoch allgemein eher wenig Verständnis für die polizeiliche Sicherheitsmaßnahme.
Mal sehen, was uns bei der morgigen öffentlichen „Samba Anticapitalista“-Probe (15 Uhr Kalk Post) erwartet…
Fotos gibts beim Indymedia-Artikel zum Flohmarkt: [click!]
1 Antwort auf “Umsonstflohmarkt durch Polizei beendet”